Die vier tollen Fußballwochen sind vorüber, das Leben geht in – wegen der Sommerhitze – etwas langsameren Tempo weiter. Die Mannen um Joachim Löw (ich weigere mich stets, diesen verdienten Trainer “Jogi” zu nennen) sind wieder heil zurück in Deutschland und freuen sich auf den Urlaub.
Südafrika war offenbar ein guter Gastgeber; allen Skeptikern zum Trotz gab es keine nennenswerten Sicherheits- und Organisationsprobleme, sondern nur Lob von allen Seiten. Lediglich ein bisschen Sommergrippe und Klimaanlagenerkältung für den ein oder anderen Spieler.
Afrika kann was, wenn man es lässt!
Was an fussballerischer Erinnerung bleibt, sind aber vor allem viele mittelklassige bis schlechte Spiele, erschreckend viele durchwachsene Schiedsrichterleistungen und durch die Bank weg enttäuschende Superstars.
Nur eine Mannschaft konnte meist richtig glänzen, wurde aber leider nicht Weltmeister…
Nur Europa- und Weltmeister Spanien konnte die deutsche Mannschaft stoppen. Leider wurde dabei auch der Zauberfußball und die spielerische Leichtigkeit zunichte gemacht, mit der die Deutschen weltweit für staunende Gesichter gesorgt hatten.
Nach wie vor völlig unerklärlich: Das Einknicken der Jungs um Philipp Lahm im Halbfinale gegen Spanien. Warum der unterwürfige Kniefall vor den ach so überlegenen Spaniern, die eigentlich gar nicht so überlegen waren? Die deutsche Mannschaft schien sich den WM-Titel plötzlich gar nicht mehr zuzutrauen, hatte die Überlegenheit gegen England und Argentinien offenbar schon vergessen, ebenso die sichere Ballbeherrschung. Deutschland stand wie gelähmt auf dem Platz, hatte Angst vor der eigenen Courage, spielte unsicheren Standfußball. Schland, oh Schland!
Letztendlich schafften “wir” noch Platz 3, Schadensbegrenzung. Es wäre mehr drin gewesen, wie man am Endspiel Spanien – Niederlande gut sehen konnte. Die Holländer griffen an, rannten sich die Zunge aus dem Leib, sie trauten sich was zu und sie bewegten sich! So kann man Spanien im Zaum halten…
Trotzdem gewann Spanien absolut verdient das Finale. Die Holländer ruinierten sich ihr eigenes Spiel mit unfairem Verhalten, kleinlichem Geschimpfe und äußerst brutalen Fouls. Was der Spieler De Jong da in der 29. machte, bei voller Kraft mit gestrecktem Bein auf Herzhöhe in den Brustkorb des Spaniers Xavi Alonso, war nicht nur eine klare Rote Karte (die leider nicht gegeben wurde), sondern ein glatter Mordversuch. So ein Verhalten gehört nicht nur nicht in ein WM-Finale, es gehört auch sonst auf keinen Fußballplatz dieser Welt.
Noch nie hatte es in einem WM-Finale so viele (14!) Gelbe Karten gegeben. Diese gingen fast ausschließlich an die Niederlande und waren ausnahmslos gerechtfertigt. Nicht der Schiri zerpfiff das Spiel, Holland ließ ihm keine andere Wahl als energisch einzugreifen.
Statt sich bei Schiedsrichter Howard Webb (England) zu bedanken, weil er Spanien einen Elfmeter versagte, zwei Rote Karten gegen Holland nicht gab und auch sonst keine spielentscheidenen Fehler machte, bleibt Holland dem unfairem Stil auch nach dem Abpfiff treu.
Wie man der heutigen Presse entnehmen kann, wird der Unparteiische offenbar sogar persönlich angegangen. Einige holländische Spieler demonstrieren eindrucksvoll ihren schlechten Stil, verhalten sich wenig vorbildlich und schon gar nicht weltmeisterlich. Sie sollten in ihren Heimmannschaften – nicht selten deutsche Clubs – schnellstens wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht werden.
Es war ein unglückliches Spiel für Howard Webb, tatsächlich traf er einige Fehlentscheidungen, war aber nicht der einzige Schiri dieser WM, der Probleme hatte. Besonders in der Vorrunde fragte man sich oft, wer denn bloß diese Schiedsrichter ausgesucht hatte.
Ein trauriger Höhepunkt war natürlich das Spiel Deutschland – Serbien, bei dem der völlig überforderte Referee wahrscheinlich selber nicht genau wusste, warum er dauernd sein Blasinstrument benutzte.
Vielleicht hielt er die Trillerpfeife ja für eine Vuvuzela und wollte einfach nur für tolle Stimmung sorgen. Solche Schiris sollten bei zukünftigen Top-Länderspielen denn auch tatsächlich besser auf der Tribüne Platz nehmen.
Deutschland galt vor der WM ganz sicher nicht als Favorit auf den Titel. Umso schöner ist die Tatsache, dass die Mannschaft so manchen Superstars geradezu mühelos den Rang ablief. Thomas Müller heißt der neue Torschützenkönig, und nicht Ronaldo, Messi, Villa oder Rooney.
Was wurde aus den angeblichen Top-Teams? Warum war Italien eigentlich noch mal Weltmeister? Was hat es überhaupt mit dem brasilianischen Zauberfußball (gibt es seit Mitte der 80er nicht mehr) auf sich? Warum zeigten Unterhosenmodels in der portugiesischen Mannschaft so wenig Wirkung? Frankreich kriegte lediglich einen peinlichen Spielerstreik auf die Reihe und England begrub sich wohl unter den eigenen kriegsnostalgischen Schlagzeilen.
Allein Argentinien hatte einen guten Lauf, gewann all seine Spiele, bis auch das tausendste Bekreuzigen nicht mehr half und Deutschland die Südamerikaner demütigte. Bei allem Respekt, aber man muss es so drastisch sagen. Selbst ein Maradona ist nicht allmächtig.
Der Ehrlichkeit halber muss man feststellen, dass auch Spanien nicht gerade mit attraktivem Spaßfußball glänzte. Die Spanier spielten solide und konzentriert, trafen nicht allzu oft in den Kasten, verloren sogar einmal gegen die Schweiz, gingen dann aber sympathisch und sicher durch das Turnier und holten sich nach dem Europameister-Titel `08 nun auch den Worldcup. Viva Espana!
Natürlich muss man auch Holland lobend erwähnen. Ebenfalls eine Mannschaft, die niemand wirklich auf dem Zettel hatte – die aber nun Vize-Weltmeister ist. Schade ist nur, dass man sich darüber nicht wirklich freuen kann, da die Oranjes auf ziemlich unprofessionelle Art mit der Final-Niederlage umgehen und sich wenig selbstkritisch geben (siehe oben).
Uruguay und Ghana waren ebenfalls eine positive Überraschung, sorgten mit ihren Spielen zwar nicht unbedingt für Begeisterungsstürme, spielten aber auch nicht schlechter/langweiliger als die so genannten Top-Mannschaften.
Es wurde der dritte Platz. Es hätte mehr sein können, okay, Schwamm drüber. In 5 von 7 Partien schossen Löws Jungs genügend Tore, lieferten dabei auch noch ansehnlichen und unterhaltsamen Fußball. Das hat es selten gegeben. Wenn das so weitergeht, wird man die deutsche Spielweise zukünftig schon fast “brasilianisch” nennen dürfen. Es fehlen nur noch die angemessenen Titel.
Dieser Mannschaft gehört die Zukunft. Und diese heißt Europa-Cup 2012! Sofern Joachim Löw weitermacht. Und sofern die Frechheit auf dem Platz auch zu Selbstbewusstsein in den Spielerköpfen heranreift. Selbst nach dem überlegenen Sieg über Argentiniens Elf im Viertelfinale wollte Bastian Schweinsteiger sich nicht klar zum Ziel WM-Titel bekennen. Wann denn sonst?
Löw hat alle Kritiker eines Besseren belehrt und aus einem Trupp junger Talente eine Weltklasse-Mannschaft geformt. Es wäre eine Schande, wenn der Trainer zurücktreten würde. Klugerweise hatte er sich kein besonders hohes Ziel gesteckt (Viertelfinale) und dieses mit seinen Jungs problemlos erreicht. Anders als bei Klinsmann 2006 (Weltmeister im eigenen Land) besteht kein greifbarer Grund für einen Rücktritt.
Aber warum das Rätselraten über die Zukunft der Nationalelf? Der Kraken Paul kennt doch sicher schon längst alle Antworten. Schade nur, dass er die EM `12 wahrscheinlich nicht mehr erleben wird, denn wahrsagerische Zauberwesen seiner Gattung werden nur selten älter als vier Jahre…
Bleibt zu hoffen, dass das derzeitige Nationalteam über eine höhere Lebenserwartung verfügt.