Aus unterschiedlichen Gründen steht das Online-Netzwerk Facebook.com immer wieder in der Kritik. In letzter Zeit wohl vor allem wegen des laxen Umgangs mit der Privatsphäre seiner Nutzer.
Immer wieder hört man von enttäuschten Facebook-Mitgliedern, die ihren Account restlos löschen wollen, dabei aber auf einige Hindernisse stoßen.
Ist das Löschen eines Facebook-Accounts wirklich so knifflig? Und wie sieht das eigentlich bei anderen Social-Media-Plattformen aus?
Ich habe mir das mal näher angesehen…
Ich habe fünf beliebte Online-Netzwerke miteinander verglichen:
Um es vorweg zu nehmen, die Gerüchte stimmen. Facebook macht es seinen Nutzern tatsächlich unverhältnismäßig schwer, ihren Account nachhaltig zu löschen. Dazu unten mehr…
In MySpace öffnet man “MyAccount”, wodurch man in die Account Settings gelangt. Anschließend den Reiter “Account” betätigt, findet man einen gut sichtbaren Bereich “Account Cancellation”. Dort auf “Cancel Account” geklickt und man hat es fast geschafft.
Nun drückt MySpace noch etwas auf die Tränendüse und titelt “Es tut uns leid, dass du MySpace verlassen willst!” Wenn man möchte, kann man noch seine Gründe in einer Liste ankreuzen. Darunter stehen noch ein paar gut gemeinte Tipps, womit wohl noch etwas die Unentschlossenheit des abtrünnigen Nutzers herausgekitzelt werden soll.
MySpace wirft noch einen Rettungsanker in letzter Sekunde und bietet neben “Account löschen” noch den Schalter “Account behalten” an. Das sorgt bei dem ein oder anderen sicher nochmal für Verunsicherung. Entschlossene Personen werden sich aber dadurch nicht abhalten lassen, MySpace zu verlassen. Daher lasse ich die MySpace-Masche noch als legitim gelten.
Auf tumblr.com kann man mit einem einzigen Account beliebig viele verschiedene Blogs eröffnen. Der Vorgang hier beschreibt das Löschen des kompletten Hauptaccounts – demzufolge auch aller Blogs.
Im Dashboard öffnet man “Account/Preferences” und scollt dort ganz nach unten. In der rechten unteren Ecke, oberhalb des roten “Cancel”-Schalters befindet sich in zartem Grau der Link “Delete your Account”.
Danach muss man sein Passwort eingeben und mit “Yes, delete my Account” bestätigen, das war’s.
Einziger Kritikpunkt könnte sein, dass man schon etwas genauer hinsehen muss, um den “Delete your Account”-Link zu entdecken. Wer aber wirklich entschlossen ist, sich von Tumblr.com zu verabschieden, wird keine Probleme mit dem Verfahren haben.
Noch einfacher geht das Löschen des eigenen Profils auf Stumbleupon.com. Ein Klick auf “Settings”, dann in der bereits geöffneten Unterkategorie “Account Settings” nach unten scrollen, und dort in der linken Ecke auf “Deactivate my account” klicken.
Das Wort “Deactivate” ist etwas irritierend, meint aber eigentlich “löschen”. Auf der nächsten Seite wird einem – ganz ohne Tränendrüse – der Schalter “Delete Account” präsentiert, und schon ist man ein Ex-Stumbler.
In Sachen Medienpräsenz und Hype braucht sich Twitter nicht hinter Facebook zu verstecken. Wie aber verhält sich der Kurznachrichtendienst, wenn die Vögelchen ausfliegen wollen? Wird Twitter zum goldenen Käfig?
Im Gegenteil: Ein Klick auf “Settings”, dann im Bereich “Account” (schon geöffnet) unten links auf “Deactivate my account” geklickt und anschließend noch mal mit “Okay, fine, deactivate my account” bestätigt – ein durchweg logischer und schneller Weg zum Zwitscher-Ende.
Auch twitter drückt ganz leicht auf die Tränendrüse…
…liefert einem aber auch noch einige nützliche Hinweise. Etwa, dass es noch einige Tage dauern kann, bis der Account endgültig aus Twitter verschwindet, und dass man keinen Einfluss auf die Auflistung in Suchmaschinen hat…
Möglicherweise ist letzteres auch der Grund warum Twitter ebenso wie Stumbleupon die Bezeichnung “Deaktivieren” statt “Löschen” verwendet. Dennoch, der Twitter-Account wird endgültig gelöscht.
Das geht auch anders, wie der nächste Kandidat beweist:
Zunächst die Kurzversion:
Wer seinen Facebook-Account nachhaltig löschen will, der kann dazu diesen Link benutzen:
http://www.facebook.com/help/contact.php?show_form=delete_account
Nun die normale – etwas längere – Version:
Sofern man den Weg dorthin kennt, erreicht man den Löschen-Link mit 5 Klicks. Zunächst einmal sind das 2 bis 3 Klicks mehr, als bei den anderen hier beschriebenen Seiten.
Das eigentliche Problem ist aber, dass man diese Reihenfolge der Links gar nicht sofort herausfindet. Eiligen Gemütern erschließt sich der Pfad wahrscheinlich überhaupt nicht.
Zumal einem Facebook auch noch Fallen stellt. Folgt man nämlich dem logischen Weg über die Account Settings, findet man schnell den Link “Deactivate Account”. Dieser bedeutet aber keineswegs die Löschung!
Bevor man seinen Account hier schlicht deaktivieren kann (diesmal ist wirklich nur die Deaktivierung gemeint), wird man auch noch zu der Angabe von Gründen genötigt (Pflichtfeld). Es gibt keinen Hinweis darauf, dass es sich nicht um eine endgültige Löschung handelt. In meinen Augen ist das schlichtweg Irreführung der Benutzer!
Ich war im Vorteil. Ich hatte bereits gelesen, dass ich irgendwo in den Hilfetexten von Facebook suchen muss, um den Löschen-Schalter zu finden. Trotzdem gab es einiges an Hin- und Hergeklicke, bis ich den bestmöglichen Weg herausgefunden hatte.
Immerhin sind dann keine weiteren Riffe mehr zu umschiffen. Nur noch ein Klick auf “Submit” ist nötig, um den Facebook-Account endgültig zu löschen.
Facebook tanzt in diesem Vergleich mächtig aus der Reihe und verhält sich kindisch, unprofessionell und dünnhäutig. Keine der anderen hier genannten Social-Media-Seiten, allesamt Schwergewichte auf ihrem Gebiet, hat derartige Schikanen nötig.
MySpace setzt ein wenig darauf, die Nutzer in letzter Sekunde noch umstimmen zu können, das Gleiche gilt in abgeschwächter Form auch für Twitter.
Bei Tumblr und Stumbleupon steht man souverän über allem und lässt auch nicht die Tränendrüsen arbeiten.
Alle vier vereint der völlig logische und kurze Pfad zum “Delete Account”-Link.
Es ist nicht nötig, die Funktion zum Löschen des Accounts in prominenter Position zu präsentieren. Trotzdem sollte man sie mühelos finden können, was bei MySpace, tumblr, Stumbleupon und Twitter perfekt gelingt.
Es ist traurig aber wahr, Facebook wird seinem schlechten Ruf gerecht und verdient in diesem direkten Vergleich ein paar ordentliche Nackenschläge. Die Fallenstellerei und Irreführung ist für einen angeblichen Marktführer beschämend.
kowi am 19.January 2011 um 00:09
Dankeschön… hatte bisher immer nur meinen Facebook Account deaktiviert und mich gewundert warum ich trotzdem mich einloggen konnte.
Ich hatte mir vor ein paar Wochen ein Facebook Account zugelegt und wollte diesen löschen da ich im Internet nicht über meinen richtigen Namen, aus beruflichen Gründen, gefunden werden wollte.
Danke!