Mit einem Second Life Premium Account erwirbt man unter anderem das Recht auf 512 qm eigenes Land, welches man mit 117 Prims bebauen kann. Wer sich die lange Suche nach einem geeigneten Grundstück auf dem Mainland sparen möchte, hat seit Anfang Februar 2010 die Möglichkeit, direkt in ein fertiges Haus – ein so genanntes Linden Home – inklusive der passenden Nachbarschaft zu ziehen.
Gerade die Nachbarschaft ist in SL häufig ein Problem, viele Gegenden sehen zerstückelt, kaputt und hässlich aus, weil jeder baut und experimentiert was die Prims hergeben.
Auch die neuen Linden Homes haben nicht nur Vorteile, und die Nachbarschaft will gut gewählt sein…
Die Auswahl der verschiedenen Gebäude ist begrenzt, es gibt vier Stilistiken (Modern, Ländlich, Urig und Fernöstlich) mit jeweils vier (Tahoe 5) zur Wahl stehenden Gebäuden. Zu Hunderten stehen diese Häuser auf eigenen Kontinenten nebeneinander, einen speziellen Standort kann man sich nicht aussuchen, dieser wird von SL zugewiesen – streng der Reihe nach.
Sämtliche Linden Homes vereint, dass sie auf “moderaten” Gebieten stehen. Erwachsenenthemen sind also verboten, ebenso wie kommerzielle Aktivitäten, einschließlich Events.
Wegen dieser strengen Regulierungen stehen die Linden Homes etwas in Verruf, zweitklassig zu sein. Das ist aber nicht ganz fair, denn für Einsteiger und SLer, die einfach keinen großen Wind machen wollen, sind die Fertighäuser eine ideale Sache. Zumal sie durch die Bank hinweg sehr professionell/originell gestaltet sind.
Doch für welchen Stil soll man sich entscheiden? Soll es ein kalifornisch anmutender Bungalow in Meadowbrook sein? Ein Holzhaus im bergigen Tahoe? Ein uriges Magierschloss im Fantasyland Elderglen? Oder ein Pavillon im japanischen Shareta Osumai?
Wer die Qual hat, hat die Wahl. Also habe ich das Prospekt zugeschlagen und mich selber auf den Weg gemacht, die Häuser inworld zu betrachten…
Zum jetzigen Zeitpunkt sind bereits 3 der 4 Gebäudearten in Meadowbrook ausverkauft. Die Häuser sind durch ihre schnörkellose Bauweise sehr flexibel einzurichten. Wohnen wollte ich in diesem Bungalowlabyrinth aber nicht.
Vom Meadowbrook Info-Hub laufe ich in östlicher Richtung durch die Siedlung. Schon nach wenigen Schritten habe ich die Orientierung verloren, hier sieht irgendwie alles gleich aus. Es gibt wenig Abwechslung fürs Auge, die Gebäude sehen aus wie sinnlos hingeklatscht.
Wenigstens ist die Gegend relativ belebt. Schon nach kurzer Zeit werde ich angequatscht. Ich flüchte schnell, denn diese kalifornischen Zweckbauten sind mir etwas unheimlich… Wer weiß, was hier für Leute wohnen…
Inspiriert durch die bergige Gegend rund um den Lake Tahoe in den USA fallen hier besonders die einzigartigen Holzhäuser mit ihren überproportionalen Spitzdächern auf.
Die liebevoll gestaltete Berg- und Waldlandschaft rings um den Info-Hub sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass von dieser Atmosphäre in der eigentlichen Siedlung nicht mehr viel übrig bleibt.
Dennoch verfügen die Häuser neben ihren großzügigen Terrassen über einen gewissen rustikalen Charme.
Der Fantasy-Forst von Elderglen ist wie gemacht für Avatare, die es gerne etwas mysteriöser haben. Man lebt hier in Baumwurzeln, Hobbithöhlen oder Magierschloss mit urigem Charakter.
Das hat durchaus einen gewissen Reiz, besonders weil die Siedlung durch ihre lebendige und farbenfrohe Umgebung längst nicht so stupide wirkt wie Meadowbrook und Tahoe.
Letztendlich sind auch die Gebäude aufgrund ihrer originellen Grundrisse etwas für Individualisten.
Das fernöstliche Gebiet Shareta Osumai ist nicht nur was für Asiaten.Schon der zentrale japanische Garten ist eine absolute Augenweide. Hier haben die Linden Designer richtig geklotzt.
Ich empfehle, dem Pfad vom Info-Hub aus zu folgen. Er führt den Berg hinab durch einige pompös ausgestattete Pavillions, bis man schließlich im dicht bepflanzten Garten ankommt, wo man sogar eine kleine Rikscha-Rundfahrt machen kann.
Auch in Shareta Osumai erfolgt Ernüchterung beim Betreten der Wohnsiedlung. Doch Dank der exotischen Bauweise fällt die Ernüchterung nicht so krass aus wie beispielsweise in Meadowbrook. Leider ähneln sich die Gebäude – zumindest für europäische Augen – doch sehr. Hier ist bei der Einrichtung und Dekoration also Kreativität gefragt.
Die Linden Homes sind nicht so schlecht wie ihr Ruf. Die enge Bebauung und automatische Zuweisung kann bei der schnellen Kontaktaufnahme durchaus hilfreich sein. Für Einsiedler sind die Linden Homes nicht gedacht – was aber nicht heißen soll, dass man hier quasi über den Haufen gerannt wird.
Das Otto-Normal-Partyvolk zieht es wahrscheinlich am ehesten nach Meadowbrook, in Elderglen lässt sich einiges an Kreativität entdecken, Shareta Osumai wirkt durch die fensterlose Bauweise irgendwie verschlossen und anonym, während Tahoe sich nicht recht entscheiden kann.
Mich persönlich würde es nach meinem Rundgang wahrscheinlich am ehesten in den Zauberwald von Elderglen ziehen. Einige Ausflüge in den japanischen Garten von Shareta Osumai wären ebenfalls gewiss. Das Leben in Tahoe könnte allerdings auch ein gutes Mittelding zwischen normal und originell sein…