In Kürze wird es wieder passieren, dass die führende Blog-Software WordPress einen großen Versionssprung hinlegt. Version 3.0 ist dann angesagt und nicht wenige Anwender befürchten ein weiteres Tal der Verschlimmbesserungen, wie es vor 2 Jahren bespiellos beim Sprung von v2.3.3 zu v2.5 vollführt wurde – eine einzige Katastrophe.
Es ist also wieder soweit, die aktuelle Version 2.9.2 ist ausgereift, stabil und demzufolge sehr beliebt. Der große Versionssprung droht mit einigen umstrittenen Neuerungen. Höchste Zeit also, die Beta 2 zu installieren und sich die Sache aus der Nähe anzusehen…
Ganz so schlimm wie befürchtet wird es nicht. Eine Herumbastelei an gut funktionierenden Dingen konnte ich in der Beta 2 nicht ausmachen.
Aber der Reihe nach.
Mit WordPress 3.0 wird ein neues Standard-Theme eingeführt. Dieses ist grafisch mehr als schlicht gehalten, aus meiner Sicht sogar geradezu einfallslos. Das ist aber egal, weil sowieso kein ernsthafter Blogger jemals das Standard-Theme verwenden wird – oder zukünftig vielleicht doch?
Genau das ist der Knackpunkt: Die WordPress-Entwickler scheinen mit v3.0 vor allem die Zufriedenheit der Mainstream-Anwender anzupeilen, bauen etliche Funktionen ein, mit denen sich der Laie seinen Blog “pseudo-individuell” gestalten kann.
Das ist neu im WordPress-Universum und auch grundsätzlich keine schlechte Sache. Denn natürlich wird dadurch auch technisch einiges neu eingeführt, was für Theme-Entwickler auf Dauer durchaus interessant sein dürfte.
Zunächst kann ich das Standardbild des Headers verändern. Ich habe die Wahl zwischen 8 Motiven, kann aber glücklicherweise auch ein eigenes Header-Bild hochladen. Dieses Bild muss im Format 940 x 198 px vorliegen, damit es optimal in den Header passt.
Außerdem lässt sich der Seitenhintergrund anpassen. Auch hier kann man ein Bild hochladen oder sich mit einer individuellen Farbe begnügen. Einstellungen wie Background-Position und Repeat sind ebenfalls an Bord.
Wer als Front-End-Entwickler diese Features in seinen Themes nutzen will, sollte sich auf umfangreiches Codieren in der functions.php einstellen – ein echtes Codemonster.
Eine weitere auffällige Neuerung ist die Möglichkeit, die Hauptnavigationsleiste vom Admin-Menü aus zu verändern. So kann man äußerst praktisch Links zu Einzelseiten, Kategorien oder jeder anderen URL zufügen. Neben der Standard-Position im Header lässt sich das Menü mit dem neuen “Navigation Menu”-Widget auch in den Sidebars verteilen.
Das ist aber noch nicht alles. Denn es lassen sich mehrere, verschiedene Menüs anlegen! So kann man beispielsweise im Footer ein anderes Menü zeigen, als im Header oder in der Sidebar. Aufgrund der einfachen Handhabung hat das neue Menü-Feature einige Vorteile gegenüber der klassischen Link/Blogroll-Technik und ist aus meiner Sicht die beste Neuerung in WordPress 3.0.
Der Vollständigkeit halber sollte noch erwähnt werden, dass die Sidebars im Standard-Theme nun als “Widget-Area” bezeichnet werden. Im Standard-Theme, das übrigens auf den Namen “Twenty Ten 1.0″ hört, sind satte 6 (!) Widget-Areas eingebaut.
Ebenfalls lobend erwähnen möchte ich die neue Möglichkeit, in einem Post ein spezielles Bild besonders hervorzuheben. Im Standard-Theme ersetzt dieses “Featured Image” den Seitenheader, was ich für wenig sinnvoll halte. Was aber, wenn dieses Bild an anderer Stelle erscheinen würde, als Icon neben der Bildüberschrift, Anreißer auf der Startseite oder in der Sidebar?
Einmal mehr ist es also nicht die Art, wie WordPress ein neues Feature standardmäßig einsetzt, sondern der technische Hintergrund und die daraus entstehenden Möglichkeiten, die mein Interesse wecken.
WordPress 3.0 wird es einfacher machen, eine Multi-User Seite zu betreiben, wo viele User ihren eigenen Blog führen können – bei nur einer einzige Hauptinstallation.
Sicher nur etwas für professionelle Anwender mit den nötigen Ressourcen und auch noch nicht einfach per Knopfdruck aktivierbar.
Dieses Feature werde ich mir mit Sicherheit noch mal näher ansehen und möglicherweise ein Tutorial dazu verfassen.
Hier noch einige Punkte, denen ich mich noch nicht genauer gewidmet habe, bzw. deren genaue Funktionsweise sich mir in der Beta 2 noch nicht erschlossen hat:
.
Nicht Fisch, nicht Fleisch, könnte man sagen. Es ist ein wenig schleierhaft, was WordPress 3.0 denn nun am liebsten sein möchte. Die beste Blogging-Software der Welt? Ein vollwertiges CMS-System? Ist es das nicht schon längst und will lieber was ganz anderes sein? Der neueste Renner unter den Mainstream-Konsumenten? Doch eher was für Medien-Profis?
WordPress 3.0 bietet keine Antwort auf diese Fragen. Etwas unentschlossen scheint man bei Automaticc an einer mehrfachen Weggabelung zu stehen und sich nicht recht entscheiden zu können. Wohin die Reise geht, welchen Weg WordPress einschlägt, ob das Kunststück letztendlich doch noch gelingt, alle Seitenwege zu einer breiten Allee zu vereinen, wird die Zukunft zeigen.
Mir persönlich soll es recht sein. Solange WordPress 3.0 nur gut funktioniert und ich nicht gezwungen bin, die neuen Features auf Gedeih und Verderb einzusetzen.